Elemente der Kampagne

In Anlehnung an die WHO Kampagne baut die "Aktion Saubere Hände" auf folgenden Elementen auf:

  1. Einführung des WHO Modells "My 5 Moments of Hand Hygiene" ("Die 5 Indikationen der Händedesinfektion")
    Das WHO Modell ist ein sehr schönes Beispiel für die praxisbezogene Umsetzung einer Richtlinie. In diesem Modell wird die Vielzahl der Einzelindikationen der Händedesinfektion in 5 Indikationsgruppen zusammengefasst. Die "Aktion Saubere Hände" bietet eine Standardfortbildung sowie verschiedene Poster zum WHO Modell an. Darüber hinaus werden regelmäßig Situationen aus der Patientenversorgung aufgearbeitet ("Kasuistiken"), an Hand derer eine sehr praxisbezogene Einführung des Modells ermöglicht wird.

  2. Aktive Unterstützung durch Einrichtungsleiter und Administration
    Die Anmeldung einer Einrichtung bei der "Aktion Saubere Hände" kann nur mit der Unterschrift des Ärztlichen oder Kaufmännischen Leiters erfolgen. Die Einrichtung verpflichtet sich mit der Anmeldung unter anderem an einem eintägigen Einführungskurs in Berlin teilzunehmen. Diese Teilnahme, sowie die Etablierung einer aktiven Lenkungsgruppe zur Umsetzung der Kampagne in der Einrichtung, sind Voraussetzungen für den Erwerb eines Zertifikates der "Aktion Saubere Hände". Für einen Austausch unter den Teilnehmern veranstaltet die "Aktion Saubere Hände" einmal im Jahr einen Erfahrungsaustausch.

  3. Fortbildungen
    Die Kampagne bietet mehrere Standardfortbildungen inklusive Hintergrundinformationen zu folgenden Themen an: "Die 5 Indikationen der Händedesinfektion", "Händedesinfektion und Compliance", "Händedesinfektion und Handschuhe", "Hautschutz und Hautpflege". Es sollte mindestens eine Fortbildung pro Jahr rund um das Thema Händedesinfektion für alle Mitarbeiter erfolgen. 

  4. Unmittelbare Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmittel am Patienten   
    Da die direkte Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmittel ein wesentlicher Ansatzpunkt zur Verbesserung der Händedesinfektions-Compliance ist, gibt die "Aktion Saubere Hände" einen Mindeststandard zur Ausstattung mit Händedesinfektionsmittelspendern vor:

    Bettenführende Einrichtungen: Intensivstationen ein Spender pro Patientenbett, Nicht-Intensivstationen ein Spender auf zwei Patientenbetten

    Alten- und Pflegeheime: Auf Grund der großen Diversität der Einrichtungen sowie der teilweisen Einschränkungen (z. B. demente Bewohner), wird in diesen Einrichtungen keine Spenderausstattung vorgegeben. Empfehlenswert sind die Ausstattung von Pflege- und Verbandswagen mit Spender sowie die Bereitstellung von Kitteltaschenflaschen für das Personal.

    Ambulante Einrichtungen:
    Mindestens ein Spender pro Sprech- bzw. Behandlungsraum und Labor. In ambulanten Dialyseeinrichtungen wird darüber hinaus ein Spender pro Dialyseplatz definiert.    

  5. Messung der Compliance der Händedesinfektion
                                       
    Indirekt: Durch Messung des Verbrauchs von Händedesinfektionsmittel
    Die Messung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs ist für alle Module (Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime und Ambulante Medizin) Pflicht. 
                                                              
    Direkt: Messung der Compliance durch Beobachtung (nur stationäre Bereiche und Dialyse)
    Die Compliancebeobachtung ist ein freiwilliges Angebot für die teilnehmenden Einrichtung. Die Beobachtung wird in den Einführungskursen geschult.
    Darüber hinaus bietet die WHO einen Schulungsfilm an. Die begleitende Powerpoint Präsentation hat die Kampagne ins Deutsche übersetzt. Die "Aktion Saubere Hände" hat zusätzlich ein interaktives Videotutorial entwickelt.

    Die Compliance-Beobachtung erfolgt mithilfe von Papierbögen die später in eine Online-Eingabeoberfläche übertragen werden müssen, oder direkt mithilfe einer App auf einem mobilen Gerät (Smartphone, Tablet). Eine Auswertung der Daten kann direkt im Anschluss der Dateneingabe erzeugt werden.

  6. Messung der Effektivität der verbesserten Compliance
    Die Reduktion nosokomialer Infektionen und Übertragung von multiresistenten Erregern durch die Verbesserung der Händedesinfektions-Compliance ist das grundsätzliche Ziel der "Aktion Saubere Hände".

    Im Rahmen des "Krankenhaus Infektions Surveillance Systems" (KISS) des "Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen" werden nosokomiale Infektionsraten und das Auftreten von multiresistenten Erregern (MRE) in ausgewählten stationären Einrichtungen, mithilfe validierter Messinstrumente, erfasst.
    Um einen Zusammenhang zwischen der verbesserten Compliance und deren Einfluss auf die Infektionsraten erkennen zu können, sollten nur Stationen herangezogen werden, die mindestens 3 Jahre an der Kampagne teilnehmen und auch mindestens über diesen Zeitraum Infektionsdaten erfassen.